Grundwasser/Boden

Das Grundwasser steht hoch …

Das gilt für das hessische Ried und hat erhebliche Konsequenzen für einen Klinik-Neubau, wenn er an der Friedensstraße entstehen würde. Die tiefe Baugrube wäre immer zu entwässern und die ganze Kellerebene gegen das drückende Grundwasser zu schützen. Das kostet eine Stange Geld, wovon wir im Wiesenteich ein Lied singen können. Wir haben in einem „Sumpfgelände“ gebaut, was sich für eine Millionen-Investition nicht empfehlen lässt.

Grundwasser-Karte2Unsere Erfahrung: Beim Kellerbau war z. B. eine teure „weiße Wanne“ zwingend notwendig, da das Grundwasser bis zu einem halben Meter unter die Erdoberfläche steigen kann. Diesen Sachverhalt zeigt unsere erste Karte: Die dunkelblauen Flächen stehen für Bereiche, in denen das Grundwasser einen „Flurabstand“ von 50 Zentimetern oder weniger hat. Dieser Fachbegriff gibt an, wie weit das Grundwasser von der Erdoberfläche entfernt ist. Schlechte Karten für jeden Investor, der einen großen Gebäude-Komplex unterkellern will.

Hinzu kommt das Thema „Versickerung“: Es ist geplant, rund 6.000 bis 11.000 Quadratmeter zu versiegeln, was das gesamte Klinik-Gelände betrifft, inklusive der Parkflächen für Autos. Aber: Angesichts der hohen Grundwasserstände scheint es keine gute Idee zu sein, Niederschläge einfach vor Ort versickern zu lassen. So schreibt auch ein Geologe in seinem Bodengutachten, das er für einen Häuslebauer im Wiesenteich erstellt hat: „Wegen der gering wasserdurchlässigen und wasserempfindlichen Schluff- und Tonböden und der z. T. bindigen Schwemmsande ist das Gelände allenfalls nur bedingt bis wenig für die Versickerung von Dach- und Hofflächenwässern geeignet. [Hervorhebung durch Autor].“

Warum? Weil dieses Wasser die Stabilität des Hauses gefährden könnte, wenn es direkt beim Fundament versickern würde, so der Bodengutachter.

Sollten tatsächlich vor Ort große Wassermengen aus dem Klinik-Komplex zu versickern sein, führt das möglicherweise zu Änderungen des Grundwasserstandes –  mit der Konsequenz: Durch Hebungen und Senkungen könnten Schäden an der Klinik und den angrenzenden Wohnhäusern entstehen, eventuell auch in einem viel größeren Bereich.

Vor Gericht würden sich alle wiedersehen; ein langer Rechtsstreit liegt schon heute in der Luft – und der Investor sollte Rücklagen bilden, um etwaige Ansprüche auf Schadensersatz aufzufangen. Keine schönen Aussichten!Bodenplan_Legende2

Nun zur Bodenqualität. Die zweite Karte macht auf weitere geologische Tatsachen aufmerksam: Beide Standorte (Friedensstraße und Ehlried) liegen in ehemaligen Neckar- und Weschnitz-Auen. Gut erkennbar ist das bei der Friedensstraße, wo sich eine grüne Fläche schlängelnd hindurchzieht. Der Volksmund würde das „Sumpf“ nennen, die Geologie kennt eine vornehmeren Ausdruck: „Anmoorgley“. Zu diesem Bodentyp heißt es im „Lexikon der Geowissenschaften“: „Der Anmoorgley tritt oft vergesellschaftet mit Niedermoor auf und kann aus degradiertem Niedermoor entstanden sein. Grundwasser steht gewöhnlich langanhaltend oberflächennah an.“ „Standorttypische Vegetation“ seien u. a. „Feuchtwiesen“.

„Feuchtwiesen“ … „Grundwasser“ … „langanhaltend“ … „oberflächennah“ – Da müssen beim Blick auf die Karte Alarmglocken läuten! Vermutlich wäre eine aufwendige Pfahlgründung nötig, was mit einer komplexen Wasserbewirtschaftung verbunden sein würde. Wer aber mit dem Grundwasser spielt, geht auch das Risiko ein, in angrenzenden Wohnbebauungen Erschütterungen, Hebungen oder Senkungen auszulösen. Wieder winkt ein Gerichtstermin …

Fazit: Im öffentlichen Recht gibt es den Begriff der „Amtshaftung“. Wenn Behörden Bebauungspläne erlassen oder Genehmigungen erteilen, müssen sie eventuell neben dem Bauherren für Schäden gerade stehen, die in der Nachbarschaft entstanden sind. Das kann richtig unangenehm werden – für den Bürgermeister, die Stadt und den Kreis. Gut, dass wir im Sinne der Allgemeinheit über die Verhältnisse an der Friedensstraße aufklären, natürlich auch im eigenen Interesse.

Außerdem gilt: Laut der Stadt Lorsch ist im Ehlried mit einem etwas höheren Flurabstand des Grundwassers zu rechnen (0,5 bis 1,0 Meter), was auch aus unserer Karte hervorgeht (siehe hellblaue Flächen). Und: der Bodentyp „Anmoorgley“ liegt dort nicht vor.

Warum in ein trockenes Stück Brot beißen, wenn daneben ein leckeres Sandwich liegt.