Faktencheck

Bergsträßer Anzeiger und Lorscher Magistrat

Wie Sachthemen verschwinden – und stattdessen Ressentiments geschürt werden.

„Keinen Gedanken haben und ihn ausdrücken können – das macht den Journalisten.“ (Karl Kraus)

„Ein schöner Blick wurde in keinem Kaufvertrag garantiert“ – so lautete die Überschrift zu einem Artikel, der am 28.03.2015 im „Bergsträßer Anzeiger“ (BA) erschienen ist. Wer ihn genau liest, stößt auf einige Ungereimtheiten … Die wichtigsten nennen wir auf dieser Seite, alle Punkte finden sich in unserem kompletten Faktenckeck.

 

 BA (Überschrift)

Ein schöner Blick wurde in keinem Kaufvertrag garantiert

Unser Standpunkt
Am Anfang war der Blick auf die Bergstraße ein erstes emotionales Argument. Doch wir haben viel dazugelernt – und je tiefer wir in die Materie eingestiegen sind, desto unwichtiger wurde der „schöne Blick“. Er ist inzwischen unsere geringste Sorge, sollte es zu einem Klinik-Neubau an der Friedensstraße kommen. Daher engagieren sich in der Bürgerinitiative auch viele Bewohner aus Lorsch, die nicht direkt an der Friedensstraße gebaut haben. Und: Das Argument der „schönen Aussicht“  findet  sich nicht auf unserer Website – andere Aspekte spielen eine viel größere Rolle:

Juristische Hindernisse

Grundwasser/Boden

Hochwasser

 Dagegen setzt sich der BA-Text z. B. nicht mit den juristischen Hindernissen auseinander, auch auf die Grund- und Hochwasser-Thematik geht er nur am Rande ein. Stattdessen werden alte Ressentiments bedient – und das gleich in der Überschrift!

BA (Artikel)

Die Bewohner des Baugebietes setzen auf die Strategie, den Standort an der Friedensstraße schlechtzureden. Für den Magistrat ein nicht hinnehmbares Verhalten.

Unser Standpunkt
Reden wir den Standort an der Friedensstraße schlecht? Nein, wir erläutern auf unserer Homepage u. a. Punkte, die die Stadt Lorsch selbst im Februar 2015 veröffentlicht hat – in ihrer „Analyse verschiedener Standorte für eine Sondergebietsausweisung ‚Schön-Klinik Lorsch‘“.

Da heißt es z. B. zum Standort Friedensstraße:

̶   „Vorranggebiet Landwirtschaft“
̶   „Vorranggebiet Regionaler Grünzug“ (dazu haben wir uns nicht geäußert)
̶   „Vorbehaltsgebiet für vorbeugenden Hochwasserschutz“
̶   „Regionalplanerisches Zielabweichungsverfahren erforderlich“

Zum Standort Starkenburgring (Ehlried) findet sich nur ein Punkt: „Planung Vorranggebiet Siedlung“.

Redet die Stadt Lorsch den Standort Friedensstraße schlecht, weil sie die Vor- und Nachteile alternativer Flächen dokumentiert?

Nein, sie schafft so die Grundlage für eine faire Diskussion. Und wir äußern uns bereits heute zu dieser Thematik, damit es später nicht heißt: Die Diskussion zu den alternativen Standorten ist abgeschlossen, wir hätten ja früher Stellung beziehen können.

Weiter steht in dem Artikel: „Für den Magistrat ein nicht hinnehmbares Verhalten.“ Nicht hinnehmbar? Welche Konsequenzen hat ein solches Verhalten, etwa kein Wahlrecht bei der nächsten Bürgermeisterwahl? Mal im Ernst, im Artikel 5 des Grundgesetzes steht schwarz auf weiß:

„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“

Mehr gibt es nicht zu sagen, zu diesem angeblich „nicht hinnehmbaren Verhalten“.

BA (Artikel)

Die Klinik-Leitung habe bisher „Verständnis für die Interessen der Anwohner gezeigt und dies mit einer persönlichen Einladung in das Krankenhaus unterstrichen“. Leider seien nur wenige gekommen.

Unser Standpunkt
Auch in der Original-Pressemitteilung des Magistrats steht der Satz: „Leider waren nur wenige Personen gekommen.“ An diesen wenigen Worten lässt sich zeigen, wie eine wahre Aussage manipulativ wirkt, wenn sie aus dem Zusammenhang gerissen wird. Ja, es bildeten genau vier Personen eine Delegation der Bürgerinitiative, die ins Krankenhaus gekommen ist. Als Delegation! Darauf kommt es an! Sie sprachen mit dem Klinikleiter im Auftrag der gesamten Bürgerinitiative. Der oben zitierte Satz suggeriert aber, die Klinik habe uns persönlich eingeladen und wir hätten das mehrheitlich in den Wind geschlagen  – „leider waren nur wenige Personen gekommen.“

Korintenkackerei? Nein, denn so werden bewusst Ressentiments geschürt, um engagierte Bürger zu diskreditieren. Das ist kein guter Stil!

Hier gehts zum kompletten Faktencheck