Hochwasser

Überflutung nicht auszuschließen …

„Jahrhunderthochwasser“ – sie kommen inzwischen alle elf Jahre vor. Sicher eine Übertreibung, aber die gewaltigen Überschwemmungen an der Elbe gab es in den Jahren 2002 und 2013. Daher sind Angaben zur Flut-Wahrscheinlichkeit Kaffeesatz-Leserei. Das gilt auch für die Weschnitz: Unser Wohngebiet „Am Wiesenteich“ liegt in ihrem möglichen Überschwemmungsgebiet, genauso wie das potenzielle Gelände der Schön-Klinik.

Das hätten wir von Anfang an wissen können … denn ein Blick in die „Hochwasser-Gefahrenkarte Weschnitz“ sorgt für schnelle Aufklärung. Auf der Karte ist eine blaue Linie eingezeichnet, die eine „Überschwemmungsgrenze bei HQ100“ festlegt.

HQ100? Das „Bayerische Landesamt für Umwelt“ liefert eine Erklärung:

„Die Abkürzung HQ steht dabei für Hochwasserabfluss. Das HQ100 (100-jährliches Hochwasser) entspricht einem Abfluss, der statistisch gesehen im Mittel einmal in 100 Jahren erreicht oder überschritten wird. Dies bedeutet nicht, dass dieser Wert genau alle 100 Jahre auftritt. Da es sich um einen Mittelwert handelt, kann ein solcher Abfluss z. B. 180 Jahre lang gar nicht auftreten und anschließend zweimal innerhalb von 20 Jahren.“

Oder im Abstand von elf Jahren, wie es die Anwohner der Elbe erlebt haben. Das bedeutet für uns und den Investor: Der Boden unter unseren Füßen ist Überschwemmungsgebiet, laut Gefahrenkarte ist mit Wassertiefen zwischen 51 Zentimetern und zwei Metern zu rechnen. Unsere Bürgerinitiative sollte bald ein Lager mit Sandsäcken anlegen …

Wasserrisiko2

Doch damit nicht genug: Der „Regionalplan Südhessen“ bezeichnet die Fläche südlich der Friedensstraße als

„Vorbehaltsgebiet für den vorbeugenden Hochwasserschutz“.

 Den Unterschied zwischen einem „Vorbehalts“- und „Vorranggebiet“ haben wir schon auf der Unterseite „Juristische Hindernisse“ geklärt. Das bedeutet für das Thema „Hochwasserschutz“: Der Regionalplan macht keine zwingenden Vorgaben! Daher finden sich in diesem Abschnitt Worte wie: „möglichst“, „soll“ oder „hinzuwirken“. Ein kleiner, aber feiner Unterschied.
Wer einen Klinik-Komplex in einem solchen Überschwemmungsgebiet plant, geht aber erhebliche Risiken ein, klar benannt durch den Regionalplan. Da heißt es:

„In hochwassergefährdeten Bereichen sind die Nutzungen so zu gestalten, dass Hochwasserschäden möglichst verhindert oder zumindest minimiert werden. In diesem Sinne sind potentielle Überflutungsbereiche auch hinter den Deichen als gefährdet anzusehen. Die Ausweisung von Siedlungsflächen in hochwassergefährdeten Bereichen soll vermieden werden; sofern dies nicht möglich ist, sollen die Gefährdungspotentiale möglichst gering gehalten werden [Heraushebungen durch Autor].“

Dann kommt eine wirklich hübsche Formulierung. Die Autoren schreiben über eine „Anhäufung von hochwassergefährdeten Vermögenswerten“. Wörtlich ist im Regionalplan zu lesen:

„Bei allen Entscheidungen der Bauleitplanung und bei der Ansiedlung von Anlagen ist darauf hinzuwirken, dass in diesen Gebieten keine Anhäufung von hochwassergefährdeten Vermögenswerten erfolgt und dass durch Bauvorsorge dem Hochwasserschutz Rechnung getragen wird. Daher sind für alle schadensempfindlichen Nutzungen möglichst Standorte auszuwählen, die die geringste Hochwassergefährdung aufweisen.“ [Heraushebungen durch Autor]

Wunderbar: Schon unsere 60 Häuser sind eine „Anhäufung von hochwassergefährdeten Vermögenswerten“. Was wird wohl eine Klinik sein? Eine Anhöhe, ein Berg oder ein Gebirge? Das muss der Investor selbst beurteilen.

Fazit: Auch die Stadt Lorsch nennt die Flächen an der Friedensstraße „Vorbehaltsgebiet für
den vorbeugenden Hochwasserschutz“. Schlussfolgerung: Eigentlich müsste sie darauf hinwirken, „dass in diesen Gebieten keine Anhäufung von hochwassergefährdeten Vermögenswerten erfolgt.“ Dabei besteht – wie schon gesagt – der Pferdefuß in dem unscheinbaren Wörtchen „hinwirken“. Die Stadt muss es nämlich nicht …

Trotzdem sollte die Stadt ihren Bürgern und dem potenziellen Investor erklären, warum sie eventuell einen Klinik-Komplex in ein Gebiet stellen will, das offensichtlich hochwassergefährdet ist. Diese Frage geht weit über die berechtigten Interessen der Anwohner hinaus. Es handelt sich um eine Frage des Allgemeinwohls!

Die Alternative ist der Standort Ehlried, wo diese Probleme nur auftauchen sollten, wenn es zu einem noch stärkeren Hochwasser (HQextrem) kommt. Das gibt auch die Stadt zu erkennen, sie nennt diese Flächen „Planung Vorranggebiet Siedlung“, wie es auch im Regionalplan steht.

Warum sollte ein Investor Millionen in einem potenziellen Hochwassergebiet versenken?